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Spiritualität wurzelt in der typisch menschlichen Fähigkeit, Transzendenz zu erfahren. Sie lässt sich als ein Grundgefühl beschreiben, das uns ahnen lässt, dass wir als endliche, bedingte Wesen unsere Existenz einem Unbedingten zuschreiben müssen.
Dazu: Zur Transformation des religiösen Bewusstseins, PDF
These 2:
Das Unbedingte ist transzendent. Es lässt sich nicht objektivieren, da wir als bedingte Wesen unmöglich einen Beobachterstandpunkt gegenüber dem Unbedingten einnehmen können. Die Beziehung von Bedingt zu Unbedingt ist existenziell. Man kann sie allenfalls symbolisch darstellen, etwa mit der Figur einer Doppelhelix.
(Dazu "Drei Transzendenzerfahrungen", PDF):
Die Aktivierung der spirituellen Fähigkeiten folgt den Bedingungen der menschlichen Weltwahrnehmung und Weltinterpretation. Sie ist dynamisch. Sie unterliegt den der Transzendenzerfahrung vorgelagerten Bedingungen der psychischen Selbsterfahrung, der Naturerfahrung, der Erfahrung von Ort und Zeit, der Geschichte, der Tradition, dem Wissen. Das Verhältnis des Selbst zur Wirklichkeit lässt sich grafisch als "spirituelle Zwiebel" veranschaulichen.
Siehe die "spirituelle Zwiebel", PDF.
Eine ungefilterte Sicht auf die Transzendenz, beziehungsweise auf das Göttliche, ist nicht möglich. Die emotionalen und kognitiven Bedingungen der Weltwahrnehmung wirken als Filter, welche die Transzendenzerfahrungen individuell prägen, entwickeln und verändern.
Da die Spiritualität existenziell ist, lassen sich spirituelle Erfahrungen, bzw. Transzendenzerfahrungen, zwar austauschen, beispielsweise in sprachlicher, poetischer, künstlerischer Kommunikation. Sie können sich gegenseitig befruchten durch Austausch von Wissen und Einsicht oder auch durch Lektüre von Weisheitsschriften. Sie können gemeinschaftlich geübt werden, etwa in religiösen Riten, auf Naturexkursionen, in Meditationen. Es kann aber keine universal "wahre" Spiritualität geben, weil die Beziehung der einzelnen menschlichen Existenz zu seinem "Unbedingten" von Natur aus einmalig ist.
These 7:
Innerhalb der Performance seines einmaligen Lebens, verwirklicht der Mensch in der Spiritualität seine Fähigkeit, in einer guten existenziellen Beziehung zum Unbedingten zu leben. Dass dies gelinge, ist aller Menschen tiefes Bedürfnis. Die Transzendenzerfahrung bedeutet gewissermassen den Sieg des Lebens über den Tod.
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