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Wiederkäuer sind meistens gutmütige Wesen, besonders in der Religion. |
Der Begriff "Atelier" betont den freien Charakter des Theologisierens und grenzt sich ab von einem universitären Institut. Die Professoren können an ihrem Institut Spezialisten für ihre Projekte arbeiten lassen. Das Atelier dagegen will den persönlichen, innovativen, künstlerischen Anspruch hervorheben, vergleichbar der Werkstatt eines Bildhauers oder Architekten.
Eine Grundfrage bewegte mich zur Gründung des Ateliers:
Wie und warum eigentlich kam und kommt der Mensch auf die Vorstellung einer Realität ausserhalb der Reichweite seiner emotionalen und kognitiven Fähigkeiten, (Transzendenz)?
a) im Verlaufe der Entwicklung der menschlichen Art (Phylogenese)
b) im Verlaufe der Entwicklung zur menschlichen Person (Ontogenese)?
Wir besitzen von Natur aus die Fähigkeit, uns eine transzendente Wirklichkeit jenseits des kognitiven, emotionalen und intuitiven Fassungsvermögens vorzustellen: das Göttliche, das Unbedingte, eine unbedingte Wahrheit, einen unbedingten Lebenssinn.
Die Frage ist darum: Wie können wir überhaupt sinnvoll Transzendenz bedenken und besprechen? Darum geht es.
In dieser Frage steckt die Vermutung, es gehe mir eigentlich um Philosophie und nicht um Theologie.
Diese Vermutung könnte aus zwei Gründen zutreffen:
1. Philosophie und Theologie stimmen in der Grundfrage überein: Wie ist es zu denken oder vorzustellen, dass wir sind, wie wir sind? Wie ist unsere Weltwirklichkeit zu verstehen?
2. Da die Theologie in der Regel die Offenbarungen der Gründer und die Heiligen Schriften interpretiert, tritt sie uns nicht religionsoffen entgegen. Wir kennen calvinistische, lutherische, orthodoxe, paulinische, augustinische, vatikanisch-lehramtliche, jüdisch-liberale, orthodox-jüdische Theologien, ganz abgesehen von sunnitischen, schiitischen, hinduistischen, tibetisch-buddhistischen, japanisch-shintoistischen Theologien. Jede dieser Theologien definiert sich durch ihr besonderes Lehrgebäude. Ihre Theologen dienen den Interessen ihrer jeweiligen religiösen Tradition.
Die Vermutung, es gehe dem Atelier eigentlich um Philosophie, trifft trotzdem nicht zu. Gleichfalls aus zwei Gründen.
1. Der Fokus der Theologie liegt bei der transzendenten Dimension der menschlichen Existenz. Wie diese existenziell zu verstehen und zu interpretieren sei, das erörtert die Theologie grundsätzlich. Die Philosophie hingegen kann in ihren Fragen von der transzendenten Dimension absehen, wenn sie grundsätzliche Fragen der Individualität, der Politik, der Gesellschaft, der Natur, des Rechts usw. erörtert.
2. Da die transzendente Dimension der menschlichen Existenz universal ist und auf alle Menschen zutrifft, ist die Theologie grundsätzlich religionsoffen und transdisziplinär. Sie ist humanistisch. Das heisst auch vernünftig.
Nur eine religionsoffene Theologie dient der interreligiösen Kommunikation einerseits, dem Lebensgefühl des modernen Menschen andererseits.
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Das Atelier verhält sich zu einem akademischen Institut wie eine Künstler-Werkstatt zur Kunstakademie.
Am Institut lässt ein Professor viele Spezialisten für sich und sein Projekt arbeiten. Er wird bezahlt und kann seine Leute bezahlen.
Ein Atelier erlaubt kreative Tätigkeit auf eigene Verantwortung und auf eigenes Risiko. Ob es sich auszahlt, ist eine offene Frage.
Religion ist zurückzuführen auf ein dem Menschen eigentümliches Lebensgefühl. Wir können spüren und einsehen, dass wir als bedingte Wesen unser Dasein einem Unbedingten zuschreiben müssen. In einem ganz allgemeinen Sinne können wir das Unbedingte als "Prinzip des Daseins" bezeichnen.
Dieses Grundgefühl ist ambivalent. Der neutrale Begriff Zuschreiben erstreckt sich von positiv zu negativ: vom Verdanken über das Ignorieren bis zum Verübeln. Ekstase und Verzweiflung sind Manifestationen des gleichen Gefühls. Selbstverständlich ist nicht jeder Mensch religiös wach und aktiv. Aber die Fähigkeit zu Religion ist charakteristisch menschlich.
Unbedingt ist der Gegenpol zu Bedingt. Das Unbedingte kennzeichnet jene Dimension der menschlichen Existenz, welche die emotionalen und kognitiven Fähigkeiten systematisch übersteigen, denn diese sind allesamt endlich, das heisst bedingt. Ohne das Gefühl für ein Unbedingtes wären die existenziellen Fragen sinnlos: Warum gibt es uns überhaupt? Warum sterben wir? Was ist der Sinn der menschlichen Existenz im allgemeinen und der persönlichen Existenz im besonderen? Was steuert die Evolution, beziehungsweise die Geschichte? Und wohin geht die Menschheit?
Da wir als irdische Wesen nicht unendlich gebaut sind, können wir die Antworten nur in endlichen, bedingten, relativen Aussagen artikulieren. Die Mathematik, die Philosophie, die Sprache, die Kunst sind unsere Mittel. Da alles Wissen bedingt ist durch seine eigenen Voraussetzungen, erreicht keine Disziplin das Unbedingte selbst.
Ein philosophischer Name für das Unbedingte ist "Transzendenz", ein theologischer Name "das Göttliche".
Theologie ist der Versuch, mit Religion und religiösen Phänomenen vernünftig klar zu kommen. Der Ort der Theologie liegt damit nicht innerhalb einer Fakultät oder Kirche oder Religionsgemeinschaft. Der Ort liegt in der Wurzel von Religion selbst.
Die Urfrage der Theologie lautet: Wie kommen Menschen überhaupt auf Religion in der menschlichen Geschichte und in der persönlichen Existenz? Theologie betreibt, so betrachtet, Aufklärung. Sie ist eine humanistische Disziplin, interessiert an den transzendenten Fähigkeiten des Menschen.
Religion dagegen spiegelt die Glaubens- und Aberglaubens-Verhältnisse in konkreten Gesellschaften, ob aufgeklärt oder nicht.
Gibt es religiöse Wahrheiten?
Ja, aber. Ja, weil Menschen unter den Bedingungen ihrer Zeit, ihres Ortes, ihrer Geschichte und ihre Persönlichkeitsstruktur bestimmte Überzeugungen, das Unbedingte betreffend, für wahr halten.
Aber, religiöse Wahrheiten holen das Göttliche nicht wirklich ein, sie versuchen es bloss mit charakteristischen Mitteln zu interpretieren. Charakteristisch sind etwa Mythen, Meditationen, mystische Erfahrungen, Rituale, Prophetien, ethische Normen, Dogmen.
Angesichts dieser Auffassung von religiöser Wahrheit, kann der Gottesbegriff der monotheistischen Religionen als Kategorienfehler betrachtet werden, weil der Monotheismus das verborgene Daseinsprinzip innerhalb endlicher Vorstellungen konfiguriert. Der monotheistische Gott ist ein Wesen, ist Person, denkt, will, fühlt, plant, handelt, begünstigt und bestraft wie wir endliche Wesen es tun würden.
Betreiben Sie nicht negative Theologie?
In der Tat gibt es in der jüdischen, der christlichen und der islamischen Tradition die Einsicht, dass alle Aussagen über Gott, das Göttliche und die Transzendenz im Grunde unangemessen sind. Es ist nämlich für uns endliche Wesen nicht möglich, einen Gottesstandpunkt einzunehmen. Sogar Karl Rahner, einer der bedeutendsten katholischen Theologen im 20. Jahrhundert, war sich dieser Einschränkung bewusst.
Rahner sprach von der Schwierigkeit, "die unheimliche Schwebe zwischen Ja und Nein als den wahren und einzigen festen Punkt unseres Erkennens auszuhalten."
Die Dogmatiker haben für diese Einsicht, die Kategorie "negative Theologie" eingeführt. Denn eine solche Theologie hinterfrägt die angeblich positiven, göttlich legitimierten Sätze der Glaubenslehre.
Die Kategorie "negative Theologie" stimmt mit ihrer abwertenden Tendenz nicht. Denn was kennt die Theologie Positiveres als die Transzendenz des Göttlichen zu respektieren? Darum wird der Begriff "humanistische Theologie" der Sache besser gerecht.
Wie steht Spiritualität zu Religion?
Spirituelle Menschen pflegen und hegen ihre religiösen Gefühle und Einsichten, ob individuell oder kollektiv. Die bevorzugten Mittel sind Meditation, Gebet, Rituale und eine bewusste Lebenspraxis.
Siehe dazu auch meinen Vorschlag für eine spirituelle Doppelhelix.
Spiritualitäten sind so viele wie Farben im Spektrum. Ausser religiösen sind auch humanistische und philosophische denkbar, sofern sie sich auf die transzendente Dimension des Menschen beziehen.